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Mrz

Die schwarze Piste

Manche Christen wollen keine stille Zeit. Sie wollen die schwarze Piste. Die schwarze Piste ist die schwierigste und steilste Abfahrt eines Skigebiets. Diesen Vergleich benutzte ein Freund von mir, als er vor einigen Jahren beschloss mit einem christlichen Hilfswerk in einen Einsatz in einem zentralasiatischen Land zu gehen.

Jesus Nachfolge bedeute für ihn mehr als einen sicheren Job, gutes Einkommen, einmal im Monat Gitarre im Lobpreis spielen und Früchtetee nach dem Hauskreisabend. Er sehne sich nach der schwarzen Piste und deutete mit einer Handbewegung an, wie steil er sich das Abenteuer mit Jesus vorstelle.

Regelmässig bekam ich per Mail seine Erlebnisberichte zugesandt. Kaum nach der Ankunft saß er in einem Café, als nach einem Knall die Scheiben zersplitterten. Eine Bombe wurde ein paar Strassenecken weiter gezündet. Er berichtete von mühseligen Behördengängen, Stress mit den Nachbarn und dem Bangen um die Gesundheit des eigenen Kindes.

Vor kurzem berichtet er, wie ein Mann mit einem toten Neugeborenen an seine Haustür klopfte und um Geld für eine Bestattung bat. Sie haben bezahlt, aber am nächsten Tag wurde der Babykörper auf einer Müllhalde in der Nähe gefunden – und niemanden hat’s gekümmert! Willkommen auf der schwarzen Piste!

Aber das ist nur der eine Teil der Geschichte. Der andere Teil der Geschichte handelt von blaugeschlagenen Frauen, die einen sicheren Ort gefunden haben. Von kranken und unterernährten Kindern, die vor dem fast sicheren Tod bewahrt wurden.

Von arbeitslosen Familienvätern, die die Chance erhielten durch eigene Arbeit auf einen grünen Zweig zu kommen. Der andere Teil der Geschichte handelt von Hoffnung, Neubeginn, Mut und diesem unerschütterlichen Vertrauen, dass die Nachfolge von Jesus Kräfte freisetzt, die selbst die Pforten der Hölle überwinden.

Jetzt du: Was bedeutet die Nachfolge von Jesus für dich? Gemütliches rumtuckern mit der Masse auf der blauen Piste? Oder der einsame, wilde Ritt über die atemberaubende schwarze Piste?

Vielleicht hilft dir bei der Entscheidung der Rat des Schweizer Reformators Ulrich Zwingli, den er am 16. Juni 1529 in einem Brief an die Regierung in Zürich schrieb:

Tuond umb Gotzwillen etwas Dapfers! (Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!)

Bild: daniel stricker  / pixelio.de

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Über Philipp

Ich bin evangelischer Pfarrer und veröffentliche in diesem Weblog Ausschnitte aus meinen Predigten. Mein Lieblingsthema ist, dass Gott sich entschieden hat, uns Menschen nahe zu sein – so nahe, dass er einer von uns wurde.
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